Sun Worship - Pale Dawn

9/10

Label: Golden Antenna (Broken Silence)

VÖ: 06.05.2016

Laufzeit: 37 Minuten

Genre: Black Metal

 

 

Nach diversen ersten öffentlichen Erscheinungen, wie Split-EPs mit Earth Chaos und Unru, einer Demo und einer 12" EP und dem darauffolgenden gefeierten Debüt "Elder Giants" legen die Berliner nun mit "Pale Dawn" das zweite Album den Massen vor.

Ob es an die bisher erzielten Erfolge anknüpfen kann? Musikalisch auf jeden Fall!

 

Dass den drei Jungs ein Bassist fehlt, fällt erstmal gar nicht auf. Es wird ja sowieso meistens nur in schwindelerregenden Höhen gespielt.

Weiterhin interessant zu sehen ist, dass sie im von Corpse Paint, Nietenarmbänder und düsteres Image dominierten Metier gar nicht nach dem aussehen, was sie sich da von der Seele spielen.

Als Vater einer Tochter möchte man sie glatt zum Abendessen


nach Hause einladen. Was aber der Sache keinen Abbruch tut, sondern eher noch eine ungezwungene Frische ins Genre bringt. Verklemmtheit und Schreie nach "untrve!" sind hier fehl am Platz, das reflektieren sie auch in ihr musikalisches Schaffen. Dass fast schon braves Aussehen nichts mit dem zu tun hat, was man so auf seinen Instrumenten spielen und ins Mikrofon schreien möchte, zeigen sie sehr eindrucksvoll.

 

Die Hauptader der vier Tracks besteht vor allem aus zwei Elementen: Eingängige und durchgehende Riffs und fantastische Harmonien.

Im Opener "Pale Dawn" (wie auch in den anderen drei Tracks) werden diese Elemente gekonnt eingesetzt. Als Kontrast fungieren die Vocals, die aus dem Hintergrund fast schon clean erschallen. Eine Radiostimme aber klingt anders, hier geht es düster zu Werke. Unbarmherzig donnern die Instrumente durchwegs vorwärts und gelegentliche melodische Einwürfe, die der restlichen Dynamik aber in nichts nachstehen, seitens der Leadgitarre verleihen dem Sound eine eigene Note.

 

Bei "Lichtenberg Figures" schmeißen die Musiker einen widerum in bekannte Black Metal Gefilde, Harmonien und Melodien wie aus besten Dissection Tagen werden hier zum Besten gegeben. Auch der Gesang ist jetzt kratziges Kreischen, das das Ungetüm im Menschen zum Vorschein kommen lässt. In der Mitte des Lieds gewähren sie einem sogar mal eine kurze Atempause, nur um dann wieder loszutreten.

 

Wem es jetzt noch nicht aufgefallen ist, Ähnlichkeiten zu Wolves In The Throne Room, bzw. Einflüsse aus dem nordamerikanischen Sektor, sind nicht zu überhören. Glücklicherweise aber nur die gut klingenden Parts (im Falle des allgemeinen US Black Metal), der Spirit der Musik liegt nicht auf dem Trockenen.

 

"Naiad" legt den Fokus dann wieder auf den fast cleanen Gesang und schickt einen wieder in erhabenere Sphären der Musik. "Perihelion" setzt nochmal auf den animalischen Ausbruch der Vocals und schmettert einem nach altbekannter Black Metal Manier das Lied um die Ohren.

 

Als unkonventionelle Formation, die einen musikalischen Ausbruch von Normen zelebriert, beweisen Sun Worship aufs Neue, dass sie die Musik ohne Zwänge lieben und leben. Fans des alten Spirits sowie Anhänger der neueren Bewegung innerhalb des Untergrunds kommen hier auf ihre Kosten!

 

 

-Samuel-