Ur Draugr / Haar - Split EP

8/10

Label: ATMF Records

VÖ: 21.09.2016

Laufzeit: 41 Minuten

Genre: Black/Death Metal

 

 

Wenn Australier auf Schotten treffen und zusammen eine Split EP veröffentlichen, dann kommt etwas ganz Eigenes heraus.

In diesem Fall geschehen, die schottischen Haar treffen auf die australischen Ur Draugr. Warum das so interessant ist? Interessant ist es deshalb, weil man mit geschlossenen Augen direkt erkennt, wer aus dem nebligen Königreich und wer aus dem sonnigen Surferparadies kommt.

 

Den Anfang machen Haar, sie haben genau drei Lieder und 22 Minuten Zeit um zu zeigen, was sie können. Ein unbeschriebenes Blatt sind sie nicht mehr, sie können schon zwei EPs und Liveerfahrung mit unter anderem Negura Bunget und Aura Noir.

Trotzdem sind sie noch weit vom Mainstream entfernt.


Der Stil ist sehr forsch und düster, das Gitarrenspiel erinnert sehr an den atmosphärischen und klanglich starken Black Metal aktueller Tage. Sehr schön ist auch, dass die Lieder nicht überproduziert sind. Es ist zwar sehr angenehm anzuhören, aber den schroffen Ton wollte man dann nicht komplett eliminieren und das steigert den Hörspaß enorm.

Das Schlagzeug donnert recht Black Metal typisch und durchaus abwechslungsreich. Stimmlich bewegen wir uns hier auf eiskaltem und glatten Boden, ganz im Sinne skandinavischer Vorreiter.

Midtempo Passagen geben sich im Wechsel die Hand mit schnellen und dynamischen Parts und das vereinbaren sie auch gut miteinander. So ergibt sich trotz der langen Titel keine Langeweile.

Alles gut gemacht, weiter geht's!

 

Ur Draugr stellen sich mit nur einem Titel dem Hörer, aber das hat es mit einer Länge von knapp 20 Minuten in sich! Erfahrung konnten sie mit einer Split LP, einer Vollzeitaufnahme und Liveerfahrung sammeln. Nun ist diese Split EP an der Reihe.

Hier wird schnell klar, warum man den Unterschied zwischen den beiden Bands rasch hört: Im Gegensatz zum reinrassigen Black Metal der Kollegen werden hier viele Elemente von anderen Richtungen des Metal mit eingebracht.

 

Der Sound ist dichter und wuchtiger, das Schlagzeug nochmal einen Tick dynamischer und der Sänger setzt viel auf tiefe Growls. Aber auch das Kreischen beherrscht der Sänger, was er eindrucksvoll beweist.

Zwischendurch kommen nochmal proggige Gitarrenharmonien (generell klingt das ganze in Anbetracht mancher Riffs und Breaks sehr proglastig) und ein atmosphärischer Ambient Part, die das Klanggefüge ein wenig auflockern. Was bei dieser Liedlänge wohl auch keine schlechte Idee ist, um nicht der Ideenlosigkeit zu verfallen.

Insgesamt geben auch die Australier eine sehr gute Figur ab und man muss ihnen auch hochhalten, dass sie nicht versuchen, eine Kopie von altbekannten Bands zu sein, sondern dass sie ihren eigenen Sound gefunden haben!

 

Beide Bands überzeugen auf diesem geteilten Werk mit gutem Spiel, inspiriertem Songwriting und sehr guter Produktion, die nicht zu glatt gebügelt ist sondern ihr eigenes Flair versprüht!

 

 

-Samuel-