Desolate Fields - Past Apocalyptic Dates

9/10

Label: none

VÖ: 01.10.2016

Laufzeit: 43 Minuten

Genre: Melodic Post Black Metal

 

 

Keyboardklänge erschallen aus den Boxen, die direkt von den verwüsteten Feldern zu kommen scheinen (Ha, Wortwitz!) und mit einem Paukenschlag wird das instrumentale Intro "Ramblings of a Stone Man (Effort I)" eingeleitet. Das lässt schon mal auf viel hoffen.

Mit dem Album "Past Apocalyptic Dates" läuten die vier Mann aus den Niederlanden eine neue Ära in ihrer Bandhistorie ein, da es sich um den ersten Langspieler handelt und die Musik zu diesem Punkt hin reifen konnte. Die im Vorfeld veröffentlichten Demo Songs wiesen schon mal mit dem Finger in eine Richtung, in die die musikalische Entwicklung gehen sollte. Stellenweise vorhandene Anleihen von Cradle of Filth oder früheren Dimmu konnte man glücklicherweise ausmerzen. Was jetzt herauskam, ist ein eigener Mix aus Brutalität, Melancholie und Melodie.


"Stained Papers (Effort II)" beginnt mit melancholischer Gitarre und einem Rhythmus, der einen an Amorphis erinnert. Schnell nimmt das Lied Fahrt auf und die Holländer zeigen, dass sich weder Amorphis noch Cradle oder Dimmu umbenannt haben. Zu schnell und brachial für Amorphis, nicht anbiedernd und kitschig genug für Cradle und zu roh für Dimmu. Der Gesang wechselt zwischen growligen Schreien und Clean Gesang, letzterer ist auch durch die Ungeschliffenheit nicht so schmalzig, dass man abschalten müsste. So wird ein schöner Kontrast geboten, der sich wunderbar in die zum Einen brutale Seite des Liedes und zum Anderen in die melancholische Stimmung einfügt. Die Gitarren sind tief und treibend, harmonisch und klimpern im einen Moment, kreischen im anderen Moment los und schaffen ein hervorragendes Soundbild. Der Bass ist zu meiner Freude auch immer präsent und das Schlagzeug ballert, was das Zeug hält.

 

Mit "Enviro" hält man erst einmal einen ruhigen Part vor, der einen zwei Minuten vom starken Part des Liedes trennt. Die Riffs und Melodien erinnern unweigerlich an frühe (und gute) Opeth, ohne abkupfern zu wollen. Auch hier wird sich die Eigenständigkeit bewahrt. Insgesamt ist das Lied allgemein proggiger als der Vorgänger und es macht Spaß, der Band dabei zuzuhören, was sie sich als Nächstes einfallen lassen.

Eins ist bis hierher auch noch anzumerken: Trotz der Anzeichen von Verspieltheit und Melancholie haben Desolate Fields eine ungeheure Energie in ihr Schaffen gesteckt. Und das macht das Ganze umso ansprechender und hörenswerter.

 

Der vierte Track "Vultures" fällt wesentlich Black Metal lastiger aus, die Instrumente schnell, der Gesang durchgehend schreiend und on point, nur unterbrochen von gelegentlichen "ruhigeren" Stellen, die für Desolate Fields Verhältnisse noch ziemlich brachial sind. Mit dem Refrain "I Am The Vulture!" haben sie allerdings den Live-Jackpot geknackt. Eingängig, brutal und leicht mitzugrowlen geht er in die Ohrmuscheln und haftet sich fest. Für trve Black Metal Fans ist dieses Lied ein Fest, allerdings fällt es im Gesamtkunstwerk aus der Reihe, da es sich um das einzige Lied handelt, das derart an alten Traditionen festhält.

 

Es folgt ein schön anzuhörendes instrumentales "A Visible Mass of Vapour", das nach zwei Minuten in den mit 8:36 Minuten längsten Track des Albums "Hollow Earth" übergeht. Dieses braucht seine Zeit, um sich nach und nach aufzubauen und fließt langsam und treibend in einen mitreißenden Gitarren Solo Part, dann ein Drum Break (Trivium lässt grüßen?) und Action! Abgehacktes Riffing sind hier ein gelungenes Rezept, um dem Ganzen noch mehr Geschmack zu geben. Und hier kommt auch wieder der Mix aus Schreien und Clean Gesang, der der Band immer noch gut steht. Epischer Sound trifft auf proggige Verspieltheit und hohe Gitarren treiben alles voran.

 

Der Titeltrack "Past Apocalyptic Dates" geht anschließend fast schon im Vorlied unter. Er bietet zwar auch alles, was Desolate Fields ausmachen, inklusive eines gelungenen Solos, aber "Hollow Earth" hat einfach zu sehr mitgerissen. Hätten sie die beiden Lieder getauscht, wäre der Effekt vermutlich besser gewesen. Nichtsdestotrotz auch ein gelungenes Lied und ein gelungenes Wortspiel (was wohl auch der Grund für die Wahl des Albumtitels war).

 

"Blister" schließt das Album ganz im Sinne der vorangeganenen Kunststücke.

 

Fazit: Black Metal trifft auf Prog, Melancholie, Power und ganz viel Spielfreude. So hätten Opeth geklungen, wenn sie den Fokus auf Black Metal gelegt und nicht ihre Eier verloren hätten. "Hollow Earth" ist definitiv ihr bisher bestes Stück, das einen vom Hocker haut. Alles sehr gut gespielt und auch passend produziert, lediglich "Vultures", das zwar ein gutes Black Metal Lied ist, inhaltlich aber völlig aus der Reihe fällt, trennt die Holländer von der Bestnote.

 

 

 

-Samuel-