Draugsól - Volaða Land

8/10

Label: Signal Rex

VÖ: 13.01.2017

Laufzeit: 38 Minuten

Genre: Black Metal

 

 

Wie habe ich mich auf diesen Release gefreut! Der im Vorfeld veröffentlichte Track "Bót Eður Viðsjá Við illu Aðkasti" hat mich wirklich heiß darauf gemacht. Man hat es ja auch nicht alle Tage, dass man eine isländische Black Metal Band reviewen kann. Trotz der Tatsache, dass gefühlt jeder zweite Einwohner Islands in einer Metal Band spielt. Und die anderen Bewohner spielen neben ihrer Tätigkeit als Zahnarzt in der Fußballnationalmannschaft.

 

Jetzt ist also das Debüt Album "Volaða Land" erschienen und die Scheibe hatte Zeit, sich setzen zu lassen. Was ist jetzt also noch von meinem Hype geblieben? Draugsól bezeichnen ihre Musik als eigenständige Art des Black Metal (hört man ja so selten ;-) ). Ob sich das bestätigt, wird sich jetzt zeigen:


Das Album beginnt genretypisch mit einem grimmigen Intro, das schon mal Luft holt, um bei "Formæling" zum Schlag auszuholen. Direkt und ohne viele Schnörksel geht es los, die Gitarren schreddern, das Schlagzeug stampft und der Sänger knarzt ins Mikro. Ein klein wenig Wehmut macht sich in mir breit, denn eigenständig spielt sich anders. Behemoth lässt beim stakkatohaften Spiel der Instrumente grüßen. Ansonsten besticht der Opener mit Harmonien und Melodien, zwischenzeitlich sogar mit einem Solo. Gefallen tut aber der Gesang, der donnernd, knarzend und bedrohlich das Mikrofon vergewaltigt. So richtig erdig irgendwie. Tempowechsel sind auch vorhanden, es geht von düster und beschwörend über zu schnell und stampfend. 

 

Draugsól wollen zumindest auch mal nicht ganz so mysteriös böse sein, wie andere Bands aus der Region. Man muss auch gar nicht so genau hinhören, um einige Pagan Einschläge zu entdecken. Sie geben sich jedenfalls Mühe, etwas Eigenes zu erschaffen und der Schreck vom Anfang ist schon wieder vergessen. Der Sound ist auch rotziger und angenehm ungeschliffener.

 

Wehmutstropfen: Das Lied ist einen Ticken zu lang, aus den knapp neun Minuten hätte man auch sieben Minuten machen können.

Dieses Gefühl kam auch zunächst beim nächsten Lied "Bót Eður Viðsjá Við illu AðkastiW auf. Drei Minuten vor Ende dachte ich mir, dass man jetzt einen Schlussstrich drunter ziehen könnte. Aber meine Geduld mit dem Lied wurde doch noch mit einem äußerst gelungenen harmonischen Slow Tempo Part belohnt (eine Minute früher eingesetzt und es wäre perfekt gewesen). Klar, der Track war schon im Vorfeld bekannt, aber im Gesamtkontext hört man nochmal anders hin und nimmt es auch anders wahr. Insgesamt ist das Lied aber immer noch so gut wie vorher und auch soundtechnisch skandinavischer.

 

Allerdings ist mir auch hier direkt am Anfang des Liedes etwas aufgefallen, was mir zuvor verborgen geblieben ist.

Als es mir bewusst wurde, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Haben Draugsól das Anfangsriff von Slayer's "Bloodline", soll ich das jetzt wirklich sagen, geklaut? Direkt mal den Vergleich auf YouTube gemacht. Tatsächlich! Es ist nicht 100% der gleiche Riff, aber verdammich, das klingt massiv danach. Zum Glück beschränkt sich das nur auf den Anfang und beim dritten Mal hören kann ich nur noch darüber schmunzeln.

 

"Spáfarir Og Útisetur" beginnt mit einem wunderbaren akustischen Intro (könnt ihr ruhig öfters verwenden) und geht über in ein schwarzes Klagelied, das stark an frühe Black/Pagan Vorreiter erinnert. Gelungenes Lied und dieses Mal auch wirklich passende Liedlänge.

 

Das Akustik Intro findet auch in "Váboðans Vals" Verwendung, allerdings in viel kürzerer Fassung, da die Herren dann doch lieber losbolzen wollen. Hier wird es nochmal einen Tacken frostiger und der Sänger scheint mir bellender zu schreien (positiv gemeint) und wirkt immer fieser. Was mir auch gut gefällt.

 

Jetzt sind wir mit "Holdleysa" am Finale angekommen und das hat es nochmal in sich. Mitreißende Mid Tempo Passagen laufen Hand in Hand mit donnernden Riffs und der Wahnsinn scheint in all seinen Facetten dargestellt zu werden. Die Gitarren werden stellenweise effektvoll verzerrt, was den Eindruck unterstreicht. Ein Männerchor wird auch noch passend eingesetzt und sorgt nochmal für den letzten Schub Stimmung. Ganz ehrlich, dieses Lied sollte der Grundstein für das nächste Album werden.

 

Wenn man die ein oder andere Schrecksekunde verdaut hat, offenbart sich mit "Volaða Land" ein durchaus gelungenes Werk. Als Debütalbum haben Draugsól trotz der genannten Schwächen ordentlich vorgelegt und haben jetzt die Möglichkeit, ihr Schaffen zu perfektionieren. "Holdleysa" ist definitiv mein Favorit des Albums, da es zeigt, zu was die Jungs aus Reykjavik wirklich fähig sind.

 

 

 

 

-Samuel-