Ultha - Converging Sins

10/10

Label: Vendetta Records

VÖ: 17.11.2016

Laufzeit: 63 Minuten

Genre: Black Metal

 

 

Ultha waren dieses Jahr ganz schön beschäftigt. Wobei sie das ja eigentlich schon seit ihrer Gründung 2014 waren. Direkt im darauf folgenden Jahr veröffentlichten sie nämlich eine Demo und ein vollwertiges Album. Innerhalb kurzer Zeit haben sie sich einen Namen im Untergrund machen können. Und 2016? Da gab es eine EP und eine Split-EP mit Morast, auf der sie gemeinsam jeweils ein Cover von Bathory zum Besten gaben. Als krönenden Abschluss von alldem hauen sie zum Jahresende noch ein weiteres Album raus.

 

Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass man bei diesem Output Abstriche in der Qualität machen muss. Stimmt? Stimmt nicht! Die Kölner liefern trotzdem ordentlich ab!


Eine Stunde Spielzeit gestreckt auf lediglich fünf Lieder lassen die Minutenzähler der einzelnen Kunstwerke in die Höhe schnellen. Dann auch interessant zu bleiben, das ist ein anderes Kunststück.

 

Aber genug des Vorspiels, mit dem 18-Minüter (und damit gleich der längste Track auf der Scheibe) "The Night Took Her Right Before My Eyes" lässt man es düster und langsam angehen. Langsames Gitarrenklimpern, ein wenig Hi-Hat und Bass Drum, eine bedrohlich flüsternde Stimme und dezent eingefügtes  Klangwerk von "Elektroniker" Andy zur Unterstreichung der Atmosphäre. So weit, so gelungen. Nach dreieinhalb Minuten beginnt dann das Black Metal Massaker, die Instrumente donnern dynamisch los und der Gesang kreischt heulend durch die Finsternis. Die Gitarren wechseln sich mit Höhen und Tiefen ab, genauso wie die Vocals von hoch jaulend zu tief growlend abwechseln (hierbei geben sich Bassist Chris und Gitarrist Ralph den Marathonstab gegenseitig in die Hand).

 

Abwechslung ist schon mal geschaffen und es entsteht auch der Eindruck, dass sie ihr selbst geschaffenes Niveau auch halten können. Drummer Manu spielt druckvoll und auf den Punkt und wenn wir jetzt schon alle beim Namen nennen, auch Gitarrist Ralf (war das Absicht, dass beide Ralph/f`s an den Gitarren sind? ;) ) leistet ordentliche Arbeit. Insgesamt ist auf dem Album auch der Spagat zwischen Heaviness und Melodie sehr gut gelungen! Das elektronische Beiwerk wird geschickt eingesetzt (wie z.B. ätherisch wabernde Wolken oder diabolische Chöre) und verdichtet die Stimmung immens. Und zu meinem Erfreuen stimmt die Produktion zu 666%, nicht zu sehr over-the-top und nicht zu lasch, perfekt.

 

Anmerkung des Autors: Normalerweise bin ich gar nicht so der Fan von klagendem Schreien, was auch der Grund war, warum ich mir die ganze Geschichte noch genauer anhören musste. Im Nachhinein bin ich wirklich froh darum, ansonsten wäre mir wirklich was entgangen.

 

Besonders gespannt war ich auf den Gastauftritt von Rachel Davies von der britischen Kapelle Esben and the Witch, die eigentlich mehr in okkulten Rock Gefilden unterwegs sind. Ich habe mich gefragt, wie sie es schaffen, diese schwermütige und fast schon zerbrechliche Stimme in ein brachiales Black Metal Werk einzubinden. Bei "Mirrors In A Black Room" ist ihre Sternstunde auf dem Album gekommen, es beginnt alles langsam, die ruhigen Gitarren leiten geisterhaft ein und Rachel beginnt, ihrer Stimme freien Lauf zu lassen. Die Melodie und die von Sehnsucht und innerem Zerbrechen erfüllte Stimme treiben einem mehrere Schauer über den Rücken. Aber auch im kraftvolleren Part kann sie noch mithalten und gibt sich ein extrem gelungenes Stelldichein mit Chris`Gekeife.

Ultha und Rachel schaffen ein wunderbares Lied und man bemerkt gar nicht mehr, wie die gut neun Minuten Spielzeit verstreichen.

 

"Athame | Bane Emanations" ist auf Grund der verhältnismäßig kurzen Spielzeit von fünf Minuten mehr ein Zwischenspiel. Allerdings eines, das es in sich hat! Böse, brachial, wütend und in die Fresse! Hätte man sich sparen können? Nein, hätte man nicht.

 

Beim darauf folgenden "You Will Learn About Loss" geht es durchwegs schnell zur Sache und Gefangene werden niedergemetzelt. Auch hier wird es trotz der Überlänge definitiv nicht langweilig.

 

Um zum Abschluss zu kommen, wird einem noch "Fear Lights The Path (Close To Our Hearts)" serviert und besser könnte man ein Album nicht abrunden. Mit einem Anfang, geprägt von epischen und dröhnenden Mid-Tempo-Riffs wird man in einen Schmelztiegel mit allem von der Band Bekanntem hineingegossen, um anschließend von einem Walzer von Lied überrollt zu werden.

 

Als Fazit bleibt mir nicht mehr viel zu sagen, Ultha liefern mit "Converging Sins" ein Killer Album, geprägt von eingängigem und zugleich doch abwechslungsreichem Songwriting, eine Mixtur aus traditionellem sowie aktuellem Black Metal und einem Einfallsreichtum, wie man ihn nur noch selten im Black Metal erlebt. Jedes Lied ist ein Ohrenschmaus und wer sich mit dem Gesang anfangs schwer tut, dem sei gesagt, er sollte nochmal hinhören! Bestnote und Einzug in die Hall of Fame!

 

 

 

 

-Samuel-