Unlight - Antihelion

10/10

Label: War Anthem Records

VÖ: 04.11.2016

Laufzeit: 45 Minuten

Genre: Black/Thrash Metal

 

Wie diese Band all die Jahre und mit sechs kompletten Langspielern unter meinem Radar bleiben konnte, ist mir ein absolutes Rätsel. Ob der Kopf zu tief im Sand vergraben war oder ob mein Radar unter einer Fehlfunktion leidet, kann ich leider nicht nachvollziehen. Umso besser aber, dass ich sie auf dem bisherigen Höhepunkt ihres musikalischen Schaffens kennenlernen darf. Unlight erschaffen eigenständigen Black Metal, von dem sich so manche übertrve Band noch eine große Scheibe abschneiden darf. Elf Lieder lang versucht die deutschsprachige Band auch jeden Zweifler eines Besseren zu belehren.

 

Mit dem Intro bereiten die vier Männer auf die kommende Dunkelheit vor, um dann mit dem eigentlichen Opener "Create and Annihilate" einen Sturm zu entfachen, der dem Songtitel mehr als gerecht wird.


Das Gitarrenspiel ist herausragend, hier Riffgewitter, dort Gefrickel, ein wenig Solo, ein bisschen Harmoniepart, Abwechslung wird groß geschrieben! Die Drums von Lord Grond sind schnell und tight auf dem Punkt, der Gesang von Blaspherion keift durch die Boxen, als ob der Teufel in Person sich erhebt. Hervorragend!

Das Songwriting ist auch herausragend, die jahrelange Erfahrung entlädt sich auf diesem Werk mit einem Feuerwerk. Auch mit der Produktion hat man ins Schwarze getroffen, nicht zu seicht und nicht zu glatt, genau richtig.


"Antihelion" stellt als Namensgeber für das Album einen atmosphärischen Höhepunkt dar. An der Geschwindigkeitsschraube wird nach unten gewerkelt,  auch der Gesang fällt tiefer und growliger aus.
Mit dem nächsten Track "The Bone Trumpet" werden die vier Herren live einen frenetischen Headbangwahn auslösen. Wer es nämlich bis hierhin noch nicht bemerkt haben sollte: Der Anteil an Thrash Metal ist immens hoch und das ist gut so! Das gibt der Musik nochmal den gewissen Drive nach vorne. Wenige Bands schaffen es allerdings auch, die beiden Elemente Thrash und Black so gekonnt zu vermischen und zu einer Einheit zu transformieren, dass man nicht andauernd denken muss "Ah, hier ist Thrash, dort Black...". Diese Stärke wird bei diesem Lied auch überragend demonstriert, sehr starkes Stück!


Ein Titel hat mich schon beim Namen direkt gehabt und das ist "The Flight of the Sinistral Witch". Nicht nur lyrisch, sondern auch musikalisch ein weiteres Brett auf diesem Langspieler, mähen Unlight weiter alles nieder, was ihnen zu nahe kommt. Einen Durchhänger findet man bis hierhin auch noch nicht, jedes Lied schlägt ein!


Es gibt eine Sache, die ich nur selten sage, aber "Macht ruhig mehr Lieder auf Deutsch!" liegt mir bei "Der Äther schwerer Erde" auf der Zunge. Mit dem kehligen Gesang klingt das Lied einfach nur geil! Eisregen kann einpacken!
Bei "Nordic Tunes of Fenrir" geht mein Bass-liebendes Herz auf, die Bassline wurde sehr geschickt hervorgehoben und hier bekommt man das Gefühl, dass der Bassist Nefastus wohl auch eine durchaus tragende Rolle beim Songwriting trägt. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege.


Jetzt habe ich alle Band Mitglieder beim Namen benannt, nur den Gitarristen Raptus nicht. Aber dass die Gitarrenarbeit mehr als Durchschnitt ist, dürfte ich irgendwo schon erwähnt haben und das hat sich auch jetzt kurz vor dem Finale nicht geändert.
"First Son of Flame" ist ebendieses und jetzt wird nochmal die skandinavische Keule ausgepackt. Treibende Riffs, Blastbeat, wieder eine schöne Bassline, wütende Vocals und ein kurzes Solo führen einen zum Ende hin, welches von einem Klavierpart abgeschlossen wird.


Alles in allem bereue ich keine einzige Minute, die ich mit diesem Album verbracht habe. Vergesst Watain, Unlight sind der nächste Stern am Black Metal Himmel! Zu große Worte? Ich glaube nicht!

 

 

 

-Samuel-