Streams Of Blood

8,5/10

Label: Folter Records

VÖ: 25.02.2017

Titelzahl: 8 Tracks

Laufzeit: 45 Minuten

Genre: (War) Black Metal

 

 

"Atomkrieg? Ja bitte!" So oder so ähnlich lässt sich das neue Werk der kriegerisch gesinnten Black Metaller von Streams Of Blood zusammenfassen. "Allgegenwärtig" ist das nunmehr dritte vollwertige Album der deutschen Band, die von Thymos (bekannt durch unter anderem Darkened Nocturn Slaughtercult) gegründet wurde.

 

Die Musik ist kompromisslos und kalt, die behandelten Themen


zeugen auch nicht von Frohsinn. Aber wie gut ist das Album tatsächlich? Erfüllt es die Erwartungen eines von Hass erfüllten Black Metallers, dem beim Anblick ungeliebter Personen Gedanken durch den Kopf huschen, für die sich ein "Normalsterblicher" beim Psychiater des Vertrauens melden würde?

 

"Stella Nova (Collapse)" beginnt gemächlich, um den Grundstein für eine musikalische und psychische Entartung zu legen. Das Lied entpuppt sich als die Art von Black Metal, die man erwartet: Schnell, grimmig und auf die Fresse. Man kann aber nicht nur schnell (wie ja das "Intro" schon gezeigt hat), auch Passagen in mittlerem Tempo sind drin. Und das, ohne langweilig zu wirken. In diesem Tempo wird das Lied auch beendet.

 

Konträr dazu wird in "Corrosion" wieder feinster War Black Metal vom Stapel gelassen. Ein Vergleich zu Bands wie z.B. Endstille hinkt dagegen ein wenig. Streams Of Blood gehen mit ihrem neuen Silberling tiefere, düstere Wege. Sowohl instrumental als auch stimmlich, wobei der Gesang trotzdem noch eine ganze Menge Kälte ausstrahlt. Gelegentlich wird es auch lyrisch tiefergründiger, das Thema Weltkrieg (oder eben Krieg im Allgemeinen) wird nicht bis zum Exzess durchgekaut. Aber auch bei diesem Lied zeigen die Jungs, dass sie Wert auf abwechslungsreiches Songwriting legen. Tatsächlich existieren pro Lied mehr als zwei Riffs. Was bei manchen Black Metal Bands nicht selbstverständlich ist.

 

"Detox" besticht mit einem ins Ohr gehenden Refrain und gegen Ende hin mit einem wunderbaren, fast schon melodischen Part, der eine hypnotische Wirkung innehat.

Das darauf Folgende "Open Your Third Eye" drückt wieder aufs Gaspedal, wohingegen bei "Fusion" die Gitarren in ungewohnt hohe Sphären rücken. Sehr zu meinem Wohlgefallen natürlich, ein bisschen Farbe in den tristen Black Metal Alltag zu bringen, hat noch nie geschadet.

Noch ein wenig Mindfuck gefällig? Dann seid ihr bei "Man Owes Nature Only Death (Conduct)" genau richtig! Brutal, schnell und auf den Punkt drückt das Lied durch die Boxen. Spätestens hier werden euch eure Nachbarn hassen.

 

Wer es bei dem Lied mit dem dritten Auge noch nicht bemerkt haben sollte: spätestens bei den beiden abschließenden Tracks "Regeneration" und "Transformation" wird klar, dass es auch mal um mehr oder wenige besinnliche Themen geht. Inwieweit die jetzt darum gehen, dass man zu seinem lieben Herrgott in den Himmel aufsteigt, kann uns wohl nur die Band selbst beantworten.

Bei "Transformation" wird das Ganze wohl auch durch die geänderte Stimmlage in Form von tieferen und dämonischeren Growls versinnbildlicht. Als Abschluss des Gemetzels werden einem auch noch ein beschwörender Sprechgesang, mal einzeln, mal von der Gruppe vorgetragen und ein quasi-Solo präsentiert. Soviel der trve-Kodex es eben zulässt.

 

Streams Of Blood präsentieren euch mit "Allgegenwärtig" ein grund-solides Black Metal Werk, das nur so vor Disharmonie und Brutalität strotzt. Erfreulicherweise kommt der Sinn für das durchdachte Songwriting nicht zu kurz. Hier sollten alle Fans von (War) Black Metal zugreifen!

 

Hier eine Hörprobe des Albums.

 

Split-EP von 2016, gemeinsam mit Chant Of Blasphemy. Produktionstechnisch hat sich im Hinblick auf das aktuelle Album allerdings einiges getan. Als Vorgeschmack könnt ihr euch hier aber auch ein Lied von "Allgegenwärtig" anhören ("Open Your Third Eye"). Wobei die neue Fassung wesentlich ausgereifter wirkt.

 

Chant Of Blasphemy ist auch mal einen Abstecher wert.


 

 

 

-Samuel-