Durothar - Auf See

8/10


Label: None

VÖ: 01.12.2016

Laufzeit: 44 Minuten

Genre: Viking Metal

 

 

Lang und steinig war der Weg bis zur ersten vollwertigen Veröffentlichung der Jungs aus Hamburg. Mannschafts- und Klangwechsel haben die Band über längere Zeit beschäftigt und geformt und als Sahnehäubchen gab es dann noch ein wenig Zwist mit der geliebten GEMA. Waren Durothar in den Anfangsjahren noch mehr in fiedeligen Pagan Gefilden zuhause, hat man das alles über Bord geworfen (Wortwitz, haha...) und sich für einen donnernden und brachialeren Sound entschieden. Die Keyboardklänge wurden vollends gestrichen (in diesem Fall: Gut so!) und die Band klingt jetzt ausgereifter. Wer sich auch mal mit World of Warcraft auseinandergesetzt hat, wird den Bandnamen Durothar womöglich wiedererkennen. Was weder Zufall noch eine Dramatik ist, der Klang des Namens steht mit der Musik in Harmonie und man kann schon erraten, in welche Richtung die


musikalische Reise geht. Und hier ist es nun, "Auf See" von Durothar.

 

Eines schießt mir bei dieser Spielrichtung des Metal immer in den Kopf: Die Bands müssen sich mit den Popstars des Viking Metal, Amon Amarth, vergleichen lassen und messen. Das ist hier aber gar nicht mal so nötig. Auch wenn Durothar reinrassigen Viking Metal spielen, so sind Amon Amarth nicht die absoluten Platzhirsche und werden nur auf Grund ihrer Bekanntheit als Vergleich herangezogen. Darauf verzichte ich aber an dieser Stelle.

 

Besonders erwähnenswert: Dafür, dass das Album in Eigenregie im Proberaum aufgenommen wurde, ist der Sound wirklich sehr gut geworden. Warum Geld im Studio raushauen, wenn man es selbst mindestens genauso gut hinbekommt und auch seine eigenen Vorstellungen nicht erst jemand (womöglich sogar Genre-) Fremdem erklären muss? Eben.

Durothar legen großen Wert darauf, den nordischen Wikingergeist im Zuhörer zu wecken und klingen dabei noch frisch und unverbraucht (nicht so wie andere gewisse Bands, deren bestes Material schon mehr als zehn Jahre zurückliegt *räusper*). Erzählt wird eine Geschichte, die eine logische Reihenfolge innehat und bei der man zum Mitfiebern gezwungen wird.

 

"Mittwinter" zeigt als Starter, wo es hingeht: dynamisches und melodisches Klangbrett, tief gespielte Gitarren in Abwechslung mit hohen Gitarren Harmonien (stellenweise kommt im Album auch mal das kurze Gefühl von NWOBHM auf), knarzige Growls und keifende Screams, drückender Bass und ausgereiftes Drumming. Ein gut eingesetzter Männerchorpart erfrischt das Lied noch ein wenig mehr.

 

Was für ein Killer-Riff am Anfang von "Beutefahrt"! Hier ist auf jeden Fall Potential für einen Dauerbrenner vorhanden. Das ist der Stoff, auf dem die fünf Mannen weiter aufbauen sollten, denn dieses Lied geht richtig ins Ohr! Der Riff wird im Verlauf des Liedes auch immer wieder geschickt eingebaut, wobei auch der Rest ziemlich ohrwurmlastig ist.

 

Gelungene Lead Harmonien sind fester Bestandteil von "Auf See" und werden vor allem am Ende exzessiv zelebriert, bevor es dann heißt "Mann über Bord", das insgesamt naturgemäß düsterer und mit einem Hauch von Verzweiflung ausfällt.

Ein weiteres Lied, das einen packt, ist "Die Vogelinsel". Spätestens hier wird die Headbangkeule ausgepackt und einem über den Schädel gezogen. Im Refrain scheinen die Growls direkt aus Valhalla zu kommen, Gänsehaut Feeling und ein großer Moment auf der Platte!

 

Mit "Immer weiter" geht es schnell voran in "Das fremde Land", das eine musikalische Darstellung eines Panoramas verkörpert und einem das Gefühl gibt, irgendwo im hohen Norden auf einer hügeligen Wiese zu stehen, mit der felsigen Küste im Rücken und einer Wikingermetropole vor sich.

 

"Ein Fest" wird ausgerichtet, um die Ankunft im neuen Zuhause zu feiern und versetzt einen mit dem Paganlastigen Gesang und den hohen Leads und Solos auch in Feierlaune. Künstlerisch nicht das wertvollste Stück auf dem Album, aber dennoch absolut logisch in Hinblick auf die Geschichte.

Als Bonus gibt es dann noch eine Neuaufnahme eines Demoliedes von annodazumal obendrauf: "Im Bauch des Drachen" zeigt, wie sehr die Band musikalisch gereift ist, es kommt aber natürlich nicht mit dem Rest des Materials mit. Trotzdem ein nettes Gimmick.

 

Durothar legen mit ihrem ersten Album ein wirklich gutes Werk vor, das sich hören lassen kann. Von den Viking Metal Bekanntheiten möchte man nichts wissen, sondern konzentriert sich darauf, eigenständiges Material zu spielen, das nicht abgekupfert wirkt. Als Hamburger mit deutschen Texten machen sie alles richtig und die Musik wirkt authentisch und voller Leben. Es gab einige gute Momente auf der Platte, die sie sich jetzt als Vorbild für das nächste Songmaterial nehmen können, um dann den Popstarkiller auf den Markt zu hauen. Songwritingtechnisch haben sie auf jeden Fall das Zeug dazu!

 

 

 

 

-Samuel-