Devin Townsend - Transcendence

10/10


Label: HevyDevy Records

VÖ: 09.09.2016

Laufzeit: 64 Minuten

Genre: Progressive Metal

 

 

Zugegeben, Devin Townsend war schon immer ein Genie und äußerst unberechenbar. Man wusste nie, was er den Massen als Nächstes zum Fraß vorwirft. Deshalb galt es für mich, bei diesem Release darauf zu warten, was passieren würde. 

Die ersten Zweifel wurden mir beim Vorabrelease des Songs "Stormbending" weg genommen und beim Einschalten des Albums waren jegliche Zweifel, die jemals bestanden, mit einem Schlag weggeblasen!

 

Es ist sehr schwer, dieses Album in eine Schublade zu packen, denn Schubladen sind für den Maestro etwas nicht-Existentes.


Sowas genieße ich prinzipiell immer mit Vorsicht (Opeth hat mich wohl nachhaltig geschädigt...), aber hier kann man alle Vorsicht fallen lassen.

Mit "Truth" ist direkt am Anfang ein richtig starker Titel am Start, der einem erstmal klar macht, dass man hier keine abgespaceden Ambient Orgien zu erwarten hat, sondern dass für die nächsten 60 Minuten die Gitarren die Grundessenz des Seins sein werden. Alle Mittel, die eingesetzt werden, die mit Gitarre und Schlagzeug nichts zu tun haben, werden als Würze des musikalischen Gesamtschaffens verwendet.

So werden die befürchteten Ambient Orgien auf das Nötigste reduziert und dominieren das Geschehen nicht gänzlich. Zumindest bis auf manche Zwischenpassagen, zu denen man auch hinzufügen muss, dass die Übergänge mehr als perfekt eingeleitet werden. Alles wirkt stimmig und hebt einen auf eine andere Ebene des Bewusstseins, tatsächlich habe ich mich beim ersten Durchgang einfach von der Musik treiben lassen.

 

Keyboardeskapaden fügen sich perfekt in ein Lied ein, direkt gefolgt von einem Gitarrensolo, hartes Riff, starker Gesang. Alles passiert direkt hintereinander und doch ist es ein Lied und wirkt niemals zusammengeschmissen!

Das schaffen auf diesem Gebiet nur ganz ganz wenige Künstler.

Stimmlich ist Hr. Townsend auch absolut auf dem Höhepunkt und er fügt sich mit seinem Gesang perfekt in das ganze Drumherum ein.

 

Ein wirklich gutes Lied ist auch der längste Titel der Scheibe "Higher". Angefangen mit Akustikgitarre und ruhigem Gesang (fuck, man könnte schon fast von einer...... Ballade...... sprechen) knallen einem unerwarteterweise die Gitarren in Townsend Manier und der Gesang um die Ohren, gefolgt von einem coolen Zwischenriff, was den erneuten Aufbau des Liedes einläutet. Verdammt, er weiß, wie man einen Zuhörer bei der Stange hält, das muss man ihm lassen. So geht es auf und ab und das Lied wird trotz der härteren Zwischenparts stetig weiter aufgebaut. Dann werden die Gitarren und die Vocals auch mal fieser, die Drums gehen schneller bis hin zu einem Ausbruch auf allen Ebenen und der Zuhörer fährt die Achterbahn mit allen miesen Kurven und Loopings mit. Besonders beeindruckend ist auch, dass nichts zu oft wiederholt wird, man hört nicht zehn Minuten lang die dauernd gleichen Riffs.

So und nicht anders funktioniert ein fast zehnminütiges Lied!

 

Massiver Ohrwurmalarm bei "Offer Your Light"! Erst denkt man an ein Trancecore-Lied (und hat fast schon Angst davor, ob er es jetzt nicht doch verkackt), aber Pustekuchen! Es geht in Townsendsche Manier weiter, nur diesmal noch einen ganzen Batzen grooviger, eingängiger und einprägsamer. Normalerweise sind da die "Kommerz!"-Schreie ganz laut, aber das wäre hier unangebracht! Dieses Lied tut dem Album sogar richtig gut und wirkt absolut erfrischend. Nach knapp 4 Minuten ist es dann auch schon vorbei und viel länger hätte es auch nicht dauern dürfen, genau richtig aufgehört.

 

Bevor ich jetzt verbal noch mehr ejakuliere, folgendes Fazit: Richtig gute Platte und verdammt, ich kann nicht anders: 10/10! Es stimmt einfach alles und Durchhänger sucht man vergeblich! Anscheinend hat es gut getan, sich doch mal ein paar feste Musiker zum Team dazu zu holen, die ihr außerordentliches Talent dazu beisteuern.

 

-Samuel-