Universe217 - Change

9/10


Label: Ván Records

VÖ: 22.03.2016

Laufzeit: 43 Minuten

Genre: Doom Rock

 

 

Mit "Change" legt die griechische Truppe um Frontfrau Tanya Leontiou ihren vierten Langspieler zur Abnahme vor.

Gleich zu Beginn wird klar, es handelt sich nicht um eine 08/15 Doom Platte. Wie schon auf den früheren Werken wird hier mit dem Genre gespielt und das auf einem ganz hohen Level.

Die sludgelastigen Gitarren erschaffen direkt eine Soundwand, wie man sie sonst von Bands wie beispielsweise Isis (ja, die Band) gewohnt ist. Nur dass man sich viel eher mit dem Sound anfreundet als bei anderen Vertretern.

Der Grund dafür ist ganz einfach: Es wird durchgehend eine starke Stimmung erzeugt, die einen innehalten lässt. Während man bei vielen anderen Bands aus dieser Ecke die Alben als Gesamtwerk betrachten muss, um sie richtig genießen zu können, kann man die Lieder von Universe217 auch im Einzelnen sehr gut genießen.

 


Nach kurzer Zeit im Anfangslied "Undone" stellt Tanya eindrucksvoll unter Beweis, sie ist nicht nur eine sehr gute Sängerin, sondern wahrlich eine Frontfrau mit Kraft. Das Lied gräbt sich langsam nach vorne vor und die schmutzige Gitarre und der Bass begraben gemeinsam mit dem Schlagzeug den Zuhörer, der sich alsdann selbst hinauswühlen muss. Rhythmusgefühl ist ganz klar vorhanden und wird voll ausgeschöpft.

 

Der zweite Track "Counting Hours" beginnt mit einer sehr groovigen Bassline und Tanya stimmt in bestem Anfang 2000er rotzigem Alternative Gesang ein, bis das Lied wieder seine überschüttende Wirkung entfaltet und Tanya zwischendurch einen markerschütternden Schrei loslässt. Midtempo ist durchwegs angesagt, stellenweise erinnert das gesamte Zusammenspiel an eine Mischung aus diversen Bands der 2000er Ära, ein bisschen Tool hier, ein bisschen Guano Apes da, ein bisschen Isis dort. Sie haben es aber geschafft, einen eigenen Sound daraus zu kreieren, der einen fesselt.

Selten habe ich in letzter Zeit etwas aus dieser Ecke gehört, das vergleichbar gelungen und frisch erscheint.

 

"Here Comes", das auch vorab veröffentlicht wurde, ist ein sehr starkes Lied, dessen treibende Bassline und introvertiertes Gitarrenspiel unweigerlich an Tool erinnern. Auch hier stimmt wieder alles, was soll ich noch groß dazu sagen. Das hier ist ganz großes Kino!

 

Als 7-Minuten Lied verhält sich "Burn" die ersten dreieinhalb Minuten erst noch sehr ruhig und balladesk. Deplatziert wirkt auch das nicht, der Übergang in den vor Verzweiflung triefenden und schwermütigen Part, in dem sich Tanya die Seele aus dem Leib kreischt, wird anschließend gut eingeleitet. Danach folgt eine kurze Phase von düsterem Ambient und trauriger Gitarre, nur um dann mit einem Schlag nach vorne zu preschen und den Zuhörer von den Füßen zu hauen.

 

Bei "Call" wird nochmal mit Synthesizern gearbeitet, um die Atmosphäre zu verdichten und das zwölf Minuten lange Abschlusslied "Change" verursacht trotz der Überlänge keine Langeweile.

 

Alles in allem: Ein sehr gelungener Mix aus 2000er Alternative, Doom, Sludge, Post-Rock und Progressive. Und auch wenn der Vergleich mit Tool gefallen ist: Was den Unterschied ausmacht, ist dass Universe217 viel mehr Seele in die Musik hineinstecken, was einem den Einstieg in diese Musik viel leichter macht und den Hörspaß steigert.

 

 

-Samuel-