Dissection

Eine Zelebration des "Lichts der Finsternis"


Im Jahr 1990 erschien eine Band auf der Bildfläche, die bis heute mit der faszinierendste Part der Geschichte des Black Metal darstellt. Dissection. Allen voran erschuf der Frontmann Jon Nödtveidt einen Mythos um die Musik dieser Band.

Die anderen Musiker, die im Laufe der Jahre Teil von Dissection waren, waren nicht durchgehend dabei. Viele verließen die Band, da ihnen die Ansichten von Jon als zu extrem erschienen. Vorwürfe von Rassismus und Nationalismus erwiesen sich dabei aber als haltlos.

Als Mitglied des Misanthropic Luciferian Order (MLO), heute bekannt unter Temple of the Black Light, ließ er die Glaubensgrundsätze in seine Musik und insbesondere im letzten Werk "Reinkaos", das man schon als ein einziges Werk zur Beschwörung dunkler Mächte ansehen könnte, hineinfließen und sich entfalten.


Dissection - The Somberlain

Label: No Fashion

VÖ: 03.12.1993

Laufzeit: 45 Minuten

Genre: Melodic Black Metal

 

 

1993 war das Jahr des ersten Langspielers dieser legendären Band. "The Somberlain" legte den Grundstein für alles weitere Schaffen.

Dynamisch, druckvoll, melodisch, düster und sehr gut produziert.

 

Die Melodien und Rhythmen gehen sehr gut ins Ohr, die Stimme von Jon bleibt im Kopf hängen. Er war zu diesem Zeitpunkt noch kein Mitglied des MLO, aber den Hang zu den dunklen Mythen und Glaubensgrundsätzen kann man hier schon eindeutig erkennen. Besonders anzuerkennen sind die Lieder


"The Somberlain", "Black Horizons" und "Frozen", die bis zum Schluss fester Bestandteil der Live Sets waren.

Das Album ist ein zeitloses Werk, das auch bei einer Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt die Anerkennung bekommen würde, die es verdient.

Es gibt in diesem Album keinen Durchhänger, keinen Moment, den man musikalisch anzweifelt, alles ist stimmig. Die Lieder treiben einen mit und gewähren einen kleinen Einblick in den Kopf dieses Mannes.

Musikalisch gesehen stachen sie definitiv hervor, das Zusammenspiel aller Musiker war perfekt und das Können eben jener war nicht zu verleugnen.

Dass Jon Nödtveidt die Ursprünge von Dissection zum Teil im Death Metal sah, hört man dem Album noch gelegentlich an.


Dissection - Storm of the Light's Bane

Label: Nuclear Blast

VÖ: 17.11.1995

Laufzeit: 43 Minuten

Genre: Melodic Black Metal

 

1995 trat Jon dem MLO mit ihrer antikosmischen Lehre des dunklen Lichts bei. Und das machte sich auf dem Album auch bemerkbar. Es ist nicht bekannt, ob er zum Zeitpunkt der Aufnahmen bereits Mitglied war, aber eine gewisse Tendenz lässt sich nicht verleugnen.

Nach einem beschwörenden Mid-Tempo Intro geht es bei "Night's Blood" schnell, dynamisch und melodisch weiter, wo der Vorgänger auffgehört hat. Die klirrende Stimme von Jon durchschneidet das Licht und ruft die dunklen Mächte des Kosmos herbei.


Trotz, dass das Album den Geist von "The Somberlain" weiterverfolgt, ist doch ein spürbare Veränderung vorhanden. Die Melodien werden zahlreicher und sie sind vor allem ausgeklügelter.

Der Black Metal Spirit hat hier seinen Meister gefunden, Jon und seine Mannschaft schafft es perfekt, die Atmosphäre des Antikosmos einzufangen und auf Scheibe zu bannen. Absolut zeitlose Lieder wurden hier geschaffen, die heute noch für Gänsehaut sorgen, allen voran "Where Dead Angels Lie", das bis heute noch als Klassiker gilt.


Im Jahr 1997 wurde Jon Nödtveidt wegen Beihilfe zum Mord und illegalen Waffenbesitzes verhaftet zu 10 Jahren Haft verurteilt. Einer der Köpfe des MLO war der Haupttäter und wurde auch verurteilt.

2004 kam Jon auf Bewährung frei und da sich Dissection 1997 offiziell trennten, rief er das Projekt wieder ins Leben und suchte sich neue Mitstreiter zusammen. Mehrmals betonte er mittlerweile, dass Dissection als "klangliche Propagandaeinheit des MLO" fungierte.

Was im Jahr 2006 nun mehr als deutlich zu hören war.


Dissection - Reinkaos

Label: The End Records

VÖ: 30.04.2006

Laufzeit: 43 Minuten

Genre: Melodic Black Metal

 

 

Mit diesem Album, das pünktlich zur Walpurgisnacht erschien, änderte sich einiges, musikalisch und inhaltlich.

Melodien beherrschen das Geschehen, Einflüsse aus dem Thrash und Death Metal sind stark vertreten und die Texte sind wahrlich eine einzige Beschwörungsformel.

Sehr viele Passagen sind 1:1 aus den Lehren des MLO entnommen und tragen zur Gesamtatmosphäre bei.

Kommerziell gesehen war das Album ein Misserfolg, die Meinungen der Kritiker und Fans gingen bei diesem Werk stark


auseinander. Trotz der negativen Reaktion gab es einige Leute, die das Album zu Recht für eine gute Platte hielten.

Es gab mehrere Momente, die kaum Erinnerungswert haben ("Internal Fire") und "Reinkaos" als titelgebendes Lied war ein rein instrumentales Lied, das sich zwar atmosphärisch gut anpasste, aber trotzdem den Rang als Titellied nicht verdient hatte.

 

Aber es gab auch sehr starke Momente, wie "Black Dragon", "Dark Mother Divine" und "Maha Kali". Letzteres wurde auch vorab als Single veröffentlicht. Hier herrschte eine absolut "antikosmische Atmosphäre" und man spürt den Spirit des MLO. Solche Lieder zeigten, wie sehr Jon in der Lage war, den Geist seines Glaubens einzufangen und musikalisch widerzuspiegeln. Einfach nur genial!


Im Mai 2006, also nur einen Monat nach Veröffentlichung des Albums "Reinkaos" wurde die Auflösung der Band bekannt gegeben und es wurde noch eine letzte Abschiedstour gespielt, die anschließend auf der Live DVD "Rebirth of Dissection" veröffentlicht wurde.

 

Im August 2006 wurde der Mythos "Dissection" besiegelt und beerdigt, Jon Nödtveidt nahm sich mit einem Kopfschuss das Leben. Gerüchteweise war es ein ritueller Selbstmord, da er in seiner Wohnung in entsprechendem Ambiente gefunden wurde. Anscheinend hatte er das Gefühl, das sein Werk getan war.

 

Jon Nödtveidt war das Herz und die Seele dieser bis heute einzigartigen Band und somit gab es auch keine Wiederbelebungsversuche dieses Projekts.

Sein Bruder und Teile der alten Besetzung von Dissection sind aktuell noch mit der Band Deathstars aktiv, die musikalisch aber nicht viel miteinander zu tun haben.

Außerdem sind 2 ehemalige Dissection Mitglieder bei der Band Watain tätig.

 

Das Erbe sind 3 einzigartige Black Metal Werke, die bis heute zeitlos sind.

 

 

 

-Samuel-